Die Behandlung des Eierstockkrebses besteht aus zwei Bereichen oder Säulen:
Das Operationsausmass ist abhängig von der Ausdehnung des Eierstockkrebses. In frühen Stadien ohne Ableger auf dem Bauchfell werden in der Regel beide Eierstöcke, die Gebärmutter, das grosse Netz, der Blinddarm und die regionalen Lymphknoten entfernt (Operation nach Wertheim).
In einem fortgeschrittenen Stadium, welches auf den Bauchraum beschränkt ist, werden zusätzlich die Ableger mitentfernt. Dabei unterscheidet man folgende Operationsarten:
- Tumorreduktion (Tumordebulking)
- Zytoreduktion (vollständige Entfernung von sichtbaren Tumoranteilen) mit oder ohne intraoperative Chemotherapie
Bei dieser Operationstechnik erfolgt eine Reduktionder Tumormasse auf eine Grösse von etwa 0.5 cm.
Bei einer Zytoreduktion ist das Therapieziel die Entfernung von allen sichtbaren Tumorherden. Diese zum Teil sehr aufwendige Behandlung ist häufig kombiniert mit der Entfernung von Organteilen im Bauchraum (z.B. Gallenblase, Milz, Dünn- respektive Dickdarmteile). Zusätzlich wird das Bauchfell, welches der Ort der Ableger ist, entfernt.
Je nach Tumorstadium und Krankheitsverlauf kann während der Operation noch eine lokale Chemotherapie des Bauchraums durchgeführt werden.
Hypertherme intraoperative intraperitoneale
Chemotherapie [...]
Diese Behandlung erfolgt noch während der Operation (intraoperativ). Dazu wird das Chemotherapeutikum (Cisplatin) direkt in die Bauchhöhle (intraperitoneal) gegeben und nicht wie bei einer klassischen Chemotherapie über die Blutbahn. Die Wirkung des Chemotherapeutikums wird durch Erwärmen auf 42°C (hypertherm) noch verstärkt.
Der Vorteil ist, dass das Chemotherapeutikum direkt an den Ort gebracht werden kann, an dem es wirken soll und Nebenwirkungen an anderen Orten des Körpers (Haarausfall, Störungen der Blutbildung im Knochenmark, Nierenschädigungen) wesentlich seltener vorkommen, da nur ein kleiner Teil des Medikamentes in die Blutbahn gelangt.
Fortgeschrittene Ovarialkarzinome [...]
Diese werden interdisziplinär behandelt und operiert. In der Regel findet die Operation mit einem Team bestehend aus einem Gynäkologen und Chirurgen statt. Sowohl nach einem Tumordebulking als auch nach einer Zytoreduktion ist nach einer primären Erholungsphase von einigen Wochen eine systemische Chemotherapie notwendig.
Ist die Operation erfolgt und liegt das endgültige Tumorstadium vor, ist beim Eierstockkrebs in der Regel eine Chemotherapie notwendig. Die Chemotherapie soll restliches Tumorgewebe nach Tumorreduktion oder nicht sichtbaren Tumorzellen nach Zytoreduktion durch zellwachstumshemmende Medikamente (Zytostatika) abtöten. Zytostatika wirken sehr gut gegen rasch wachsende Zellen, eine Eigenschaft, die in besonderem Masse auf Krebszellen wie beim Eierstockkrebs zutrifft. Über die Dauer der Chemotherapie und mögliche Nebenwirkungen werden die Patientinnen ausführlich durch spezialisierte Onkologen aufgeklärt.
Behandlung je nach Stadium:
FIGO I und FIGO II (
Tumor befällt ein oder zwei Eierstöcke) [...]
Bei FIGO I und FIGO II werden primär durch den Gynäkologen die Eierstöcke, die Gebärmutter, der Blinddarm, das grosse Netz und die regionalen Lymphknoten entfernt. Danach ist eine Chemotherapie vorgesehen.
FIGO III (
Tumor breitet sich im kleinen Becken aus) [...]
Bei FIGO III sollte die Operation Im Team mit Chirurg und Gynäkologe durchgeführt werden. Ziel ist eine Zytoreduktion mit anschliessender systemischer Chemotherapie.
FIGO IV (
Tumor breitet sich in der Bauchhöhle aus oder befällt
Lymphknoten) [...]
Bei FIGO IV ist zur Reduktion des Tumorausmasses als erstes meistens eine Chemotherapie notwendig. Eine Operation sollte man in der ersten Phase nur bei Symptomen durchführen, wenn diese nicht mit konservativen Massnahmen beherrscht werden können.
Tumorrezidiv (Rückfall) [...]
Bei einem Tumorrezidiv nach Primärbehandlung sehen wir als Behandlung eine Zytoreduktion und intraoperative hypertherme Chemotherapie. Diese Operation kann nur in speziellen Zentren durchgeführt werden.
Die zuvor beschriebene Therapie ist für die Patientinnen sehr belastend und das Risiko, dass nach der Operation Komplikationen auftreten ist deutlich erhöht.
Tumorausdehnung [...]
Die Entfernung von Anteilen des Dünn- und Dickdarmes sind eventuell bei fortgeschrittenen Tumorleiden nötig, um den Eierstockkrebs komplett zu entfernen. Eine gewisse Strecke muss aber belassen werden, damit die Patientin noch Nahrung aufnehmen und verdauen kann. Eine Voraussetzung für die Operation ist also, dass ein gewisser Teil des Darmtraktes keinen Tumorbefall aufweist und man diesen Abschnitt belassen kann.
Für eine Tumoroperation darf der Eierstockkrebs noch keine Fernableger gesetzt haben, ansonsten ist primär eine Chemotherapie indiziert, also medizinisch sinnvoll.
Allgemeinzustand der Patientin [...]
Sowohl eine chirurgische Behandlung mit dem Ziel einer Tumorreduktion oder einer Zytoreduktion sind für die Patientin belastende Eingriffe. Die Patientin sollte neben ihrem Grundleiden keine weiteren schweren Grunderkrankungen haben und einen akzeptablen Allgemeinzustand aufweisen.
Nach der Operation kann es, als Komplikation, zu Entzündungen in der Bauchhöhle oder auch zu Lungenentzündungen und anderen Infekten kommen. Um diese zu überstehen, braucht man ein gesundes Immunsystem. Patientinnen, welche unter einer immunsuppressiven Therapie stehen (nach Transplantation oder wegen Autoimmunerkrankungen) stehen hier unter einem besonderen Risiko.
Auch Patientinnen mit mehreren schweren Vorerkrankungen haben ein erhöhtes >b>Risiko für Komplikationen. Schwere Herz- oder Lungenkrankheiten aber auch schwere Nierenerkrankungen können dagegen sprechen, eine solche Behandlung durchzuführen.
Letztendlich muss jede Patientin vor der Operation von einem Chirurgen, Gynäkologen und einem Anästhesisten individuell beurteilt und beraten werden.
Voraussetzung der behandelnden Klinik [...]
Umfangreiche Entfernung von Tumorgewebe und Organanteilen ist nur in der Hand eines erfahrenen Chirurgen und Gynäkologen eine gute Therapieoption. Das Operationsteam braucht neben einem umfangreichen Netzwerk von erfahrenen Onkologen, Urologen, Pathologen, Radiologen, Anästhesisten und Intensivmedizinern zur Therapieoptimierung Labor- und Blutproduktressourcen für den Eingriff.
Diese Voraussetzungen sind nur an grossen Kliniken gegeben. Eine erfolgreiche zytoreduktive Chirurgie gefolgt von einer hyperthermen intraoperativen intraperitonealen Chemotherapie ist sehr von der Erfahrung des Anwenders abhängig.
Die ausgedehnte Tumoroperation macht häufig eine mehrtägige Betreuung auf der Intensivpflegestation notwendig. Wunddrainagen werden innerhalb einer Woche entfernt, sobald sichergestellt ist, dass keine abnormen Flüssigkeiten (z.B. Gallesekret) oder grössere Blutmengen gefördert werden. Durch regelmässige Blutkontrollen werden Blutbildung, Infektabwehr sowie Leber- und Nierenfunktion überwacht.
Der Nahrungsaufbau ist wegen des grossen Eingriffs am Magen-Darm-Trakt häufig erst nach ein paar Tagen möglich. Solange erhält der Körper eine künstliche Ernährung direkt ins Blut.
Bei regulärem Verlauf beträgt der Krankenhausaufenthalt etwa 2-3 Wochen.
Nach einer primären Erholungsphase von ca. 6 Wochen ist in der Regel eine systemische Chemotherapie über 6 Zyklen mit Infusionen notwendig. Diese Chemotherapie wird von spezialisierten Onkologen (im Kantonsspital im SENZO) durchgeführt. Im weiteren Verlauf sind klinische und laborchemische Untersuchungen alle drei Monate notwendig.