Was versteht man unter Nebenschilddrüsen?
Lage und Form der Nebenschilddrüsen
Die Nebenschilddrüsen liegen, wie es ihr Name bereits besagt, neben der Schilddrüse. Der lateinische Fachausdruck für die Nebenschilddrüsen lautet "glandula parathyreoidea". Die meisten Menschen haben vier Nebenschilddrüsen, welche wie auf der Darstellung abgebildet seitlich oder hinter der Schilddrüse liegen. Bei etwa 5% der Menschen liegen 5, 6 oder gar mehr Nebenschilddrüsen vor.
Üblicherweise sind diese ungefähr 5 x 3 x 1 mm gross, was etwa knapp der Grösse einer Erbse entspricht. Eine Nebenschilddrüse wiegt 20 - 40mg. Selten "verirrt" sich eine Nebenschilddrüse auf ihrer Wanderung während der Entwicklung des Embryos und kommt beispielsweise hinter das Brustbein zu liegen. In dieser Lagevariabilität der Nebenschilddrüsen liegt eine der Schwierigkeiten der Nebenschilddrüsenoperationen.
Funktion der Nebenschilddrüse
Die Nebenschilddrüsen produzieren ein Hormon: das Parathormon (Fachabkürzung: PTH). Mittels dieses Parathormones wird der Calcium- und Phophatspiegel in unserem Blut reguliert. Dabei hat das Parathormon eine direkte Wirkung auf die Knochen und die Nieren. Wird von den Nebenschilddrüsen zu viel Parathormon produziert, erhöht sich der Calciumspiegel im Blut auf krankhafte und krank-machende Werte.
Eine spontane Hormonunterproduktion ist nicht bekannt; eine solche tritt höchstens als Komplikation von Schilddrüsenoperationen auf, wenn alle Nebenschilddrüsen unbewusst entfernt oder in ihrer Durchblutung gestört wurden.
Was bedeuten Nebenschilddrüsenerkrankungen für den Patienten?
Nebenschilddrüsen können sich ihrer Steuerung entziehen und ungeachtet des vorliegenden Kalziumsspiegels zuviel Parathormon produzieren. Ärzte beschreiben diesen Zustand als "Hyperparathyreoidismus". In den allermeisten Fällen liegt dabei ein gutartiger Tumor einer (~ 85%), zwei (~ 5%) oder aller Nebenschilddrüsen (~ 10%) vor. Nebenschilddrüsenüberfunktionen auf Grund eines bösartigen Nebenschilddrüsenkrebses sind äusserst selten (~ 1%). Gibt es keine äussere Veranlassung für die Nebenschilddrüsenüberfunktion spricht man von einem primären Hyperparathyreoidismus.
Was genau einen primären Hyperparathyreoidismus beim Einzelpatienten auslöst, ist immer noch Gegenstand der Forschung. In ungefähr 5-10% aller Patienten liegt ein Defekt der Erbsubstanz vor, welcher zu einer vererbbaren Form des primären Hyperparathyreoidismus führt.
Ein sekundärer Hyperparathyreoidismus tritt bei Patienten mit Nierenversagen oder Fehl- oder Mangelernährung als Folgeerkrankung auf. Bei Patienten mit dieser Form des Hyperparathyreoidismus sind regelhaft alle Nebenschilddrüsen krankhaft verändert.
Primärer Hyperparathyreoidismus
Man geht davon aus, dass pro Jahr ungefähr 25 - 30 Neuerkrankungen auf 100'000 Einwohner auftreten. Frauen sind wesentlich häufiger betroffen; das Verhältnis zwischen erkrankten Männern und Frauen liegt bei 1 : 2. Es ist anzunehmen, dass lediglich bei einem Bruchteil aller betroffenen Patienten die Diagnose eines primären Hyperparathyreoidismus effektiv gestellt wird.
Wird von einer oder mehreren Nebenschilddrüsen zuviel Parathormon ausgeschüttet, steigt auf Grund der Wirkung von Parathormon im Knochen sowie in den Nieren der Kalziumspiegel im Blut über den oberen Normalwert an. Man spricht in dieser Situation von einer Hyperkalzämie. Diese führt an vielen Organen zu Funktionsstörungen. Hält die Hyperkalzämie länger an, können an den Organen nicht mehr zu korrigierende Folgeschäden auftreten.






