Die beschriebene Therapie ist für den Patienten sehr belastend und das Risiko, dass nach der Operation Komplikationen auftreten nicht unerheblich.
Es gibt keine Standardtherapieverfahren der peritonealen Malignome. Während in der Vergangenheit meist nur unterstützende medizinische und pflegerische Massnahmen (Palliation) bei fortgeschrittenen Krebsleiden durchgeführt wurden, wird in den letzten Jahren in spezialisierten Zentren eine aufwendige kombinierte chirurgische und medikamentöse Therapie der Erkrankung durchgeführt.
Chemotherapie, neue medikamentöse Therapien [...]
Mit einer medikamentösen Therapie versucht man das Tumorwachstum zu bremsen, gegebenenfalls eine gewisse Tumorreduktion zu erreichen. Eine Heilung des fortgeschrittenen Krebsleidens kann damit nur in Ausnahmefällen erreicht werden. Hauptsächliches Ziel ist die Reduktion von Beschwerden und das Vorbeugen von Tumorkomplikationen.
Klassische Chirurgie [...]
Der Stellenwert der klassischen Chirurgie liegt hauptsächlich in der Behandlung von Komplikationen durch die peritonealen Malignome.
Eine mehrheitlich notfallmässige Operation ist in folgenden Problemsituationen gegebenenfalls notwendig:
- Akuter Darmverschluss
- Durchbruch im Magendarmtrakt
- Konservativ nicht stillbare Blutung im Bauchraum
Das Ziel einer notfallmässigen Operation ist das Beheben des akuten Problems. Eine Tumorverminderung oder anderweitige Ausdehnung des Eingriffes macht meistens keinen Sinn.
Die klassische Chirurgie kann auch bei einigen Patienten zur Verminderung des Tumorgewebes eingesetzt werden. Das Ziel eines solchen Eingriffes ist das Vorbeugen von unmittelbar bevorstehenden Komplikationen und/oder die Tumormasse soweit zu reduzieren, damit die medikamentöse Therapie bessere Aussichten hat. Diese Vorgehen ist heute insbesondere beim fortgeschrittenen Eierstockkrebs Standard.
Zytoreduktive Chirurgie [...]
In den 90er Jahren entstand ein neuer Ansatz zur Behandlung von Tumorleiden in der Bauchhöhle, welche das Bauchfell befallen.
Hierbei wird in einer aufwendigen, technisch schwierigen Operation versucht, sämtliches mit dem Auge sichtbares Tumorgewebe zu entfernen. Dafür sind häufig ausgedehnte chirurgische Eingriffe notwendig.
Tumorbefallene Organe müssen dabei teilweise oder ganz entfernt werden (multiviszerale Resektion). Zusätzlich wird der Tumorbefallene Anteil des Bauchfells im Bereich der Organe als auch an der Bauchwand entfernt. Direkt im Anschluss an die Entfernung aller sichtbaren Krebsanteile erfolgt noch während der Operation eine spezielle, auf den Ursprungsort der Krebsgeschwulst abgestimmte Chemotherapie. Dies geschieht mit der Absicht, die nicht sichtbaren, mikroskopischen Tumorreste zu zerstören.
Hypertherme intraoperative intraperitoneale
Chemotherapie [...]
Diese Behandlung erfolgt noch während der Operation (intraoperativ). Dazu wird das Chemotherapeutikum direkt in die Bauchhöhle (intraperitoneal) gegeben und nicht wie bei einer klassischen Chemotherapie über die Blutbahn. Die Wirkung des Chemotherapeutikums wird durch Erwärmen auf 42°C (hypertherm) zusätzlich verstärkt.
Der Vorteil ist, das das Chemotherapeutikum direkt an den Ort gebracht werden kann, an dem es wirken soll und Nebenwirkungen an anderen Orten des Körpers (Haarausfall, Störungen der Blutbildung im Knochenmark, Nierenschädigungen) seltener vorkommen, da nur ein geringer Teil des Medikamentes in die Blutbahn gelangt.
Für ein solches Vorgehen kommen folgende peritonealen Malignome in Frage:
- Pseudomyxoma Peritonei
- Peritoneales Mesotheliom
- Primäres Peritonealkarzinom
- Rückfall eines Eierstock- resp. Eileiterkrebses
- Peritonealkarzinose eines Dick- und Mastdarmkrebses
Zytoreduktive Operation mit hyperthermer intraoperativer Chemotherapie
Die ausgedehnte zytoreduktive Chirurgie macht häufig eine mehrtägige Betreuung auf der Intensivpflegestation notwendig. Wunddrainagen werden nach vier bis sieben Tagen entfernt, wenn sichergestellt ist, dass kein Gallensekret und keine grösseren Mengen von Blut gefördert werden. Durch regelmässige Blutkontrollen werden Blutbildung, Infektabwehr, Leber- und Nierenfunktion überwacht.
Um Schmerzen nach dem Eingriff zu vermeiden erhält jeder Patient eine individuell adaptierte Schmerztherapie. Wichtig ist in dieser Phase die aktive Beteiligung des Patienten am Genesungsprozess. Jeder Patient sollte sich soviel wie möglich ausserhalb des Bettes aufhalten. Zur Vermeidung von Thrombosen oder Embolien wird zur Mobilisation auch Heparininjektionen eingesetzt.
Der Nahrungsaufbau ist wegen des grossen Eingriffs am Magen-Darm-Trakt häufig erst nach ein paar Tagen möglich. Solange erhält der Körper eine künstliche Ernährung direkt ins Blut. Die Hautnaht wird in der Regel nach 10-12 Tagen entfernt.
Bei regulärem Verlauf beträgt der Krankenhausaufenthalt etwa 3 Wochen.
Wenn ein künstlicher Darmausgang angelegt werden musste, findet eine intensive Einübung in die Versorgung und Pflege durch speziell geschultes Personal statt.
Je nach Befund wird vor Spitalaustritt an einem interdisziplinären Tumorboard ein individuelles weiteres Therapiekonzept festgelegt. Nachkontrolle inklusive Computertomographie erfolgen in der Regel in 3-6 monatigen Abständen.