Klassische Chirurgie [...]
Lange Zeit galt die chirurgische Tumorverminderung (Debulking) als einzige Möglichkeit das Leiden des Patienten zu behandeln. Hierbei wird durch den Chirurgen das Pseudomyxom so gut es geht aus der Bauchhöhle entfernt. Häufig ist dabei auch die Entfernung von Organanteilen notwendig (z.B. Entfernung von Abschnitten des Dünn- oder Dickdarmes, Magen(teil-) entfernung, Entfernung der Gallenblase, Entfernung der Milz u.a.).
Letztendlich bleiben in den meisten Fällen aber Pseudomyxomzellen zurück und es kommt im weiteren Verlauf zu einem Rückfall (Rezidiv) der Erkrankung. Erneute Operationen sind dann wegen der bestehenden narbigen Verwachsungen deutlich erschwert oder unmöglich.
Eine klassische Chemotherapie über die Blutbahn, die bei anderen Krebsleiden häufig gute Erfolge hat, konnte bisher beim Pseudomyxom keinen herausragenden Gewinn für den Patienten zeigen.
Zytoreduktive Chirurgie [...]
In den 90er Jahren entstand ein neuer Ansatz zur Behandlung von Tumorleiden in der Bauchhöhle, welche das Bauchfell befallen. Hierbei wird in einer aufwendigen Operation versucht, sämtliches, mit dem Auge sichtbare, Tumorgewebe zu entfernen. Dafür sind häufig ausgedehnte chirurgische Eingriffe notwendig. Tumorbefallene Organanteile müssen teilweise oder ganz entfernt werden (multiviszerale Resektionen) und zusätzlich wird das, die Bauchhöhle auskleidende Bauchfell (Peritoneum) entfernt (Peritonektomie).
Gelingt es, alles sichtbare Tumorgewebe zu entfernen, so schliesst sich, noch während der Operation, eine zusätzliche Behandlung mit einem Chemotherapeutikum an. Dies geschieht mit der Absicht, die nicht sichtbaren, mikroskopischen Tumorreste zu zerstören.
Hypertherme intraoperative intraperitoneale
Chemotherapie [...]
Diese Behandlung erfolgt noch während der Operation (intraoperativ). Dazu wird das Chemotherapeutikum direkt in die Bauchhöhle (intraperitoneal) gegeben und nicht wie bei einer klassischen Chemotherapie über die Blutbahn. Die Wirkung des Chemotherapeutikums wird durch Erwärmen auf 42°C (hypertherm) noch verstärkt.
Der Vorteil ist, dass das Chemotherapeutikum direkt an den Ort gebracht werden kann, an dem es wirken soll und Nebenwirkungen an anderen Orten des Körpers (Haarausfall, Störungen der Blutbildung im Knochenmark, Nierenschädigungen) wesentlich seltener vorkommen, da nur ein kleiner Teil des Medikamentes in die Blutbahn gelangt.
Die ausgedehnte zytoreduktive Chirurgie macht häufig eine mehrtägige Betreuung auf der Intensivpflegestation notwendig. Wunddrainagen werden nach vier bis sieben Tagen entfernt, wenn sichergestellt ist, dass kein Gallensekret und keine grösseren Mengen von Blut gefördert werden. Durch regelmässige Blutkontrollen werden Blutbild, Infektabwehr, Leber- und Nierenfunktion überwacht.
Der Nahrungsaufbau ist wegen des grossen Eingriffs am Magen-Darm-Trakt häufig erst nach ein paar Tagen möglich. Solange erhält der Körper eine künstliche Ernährung direkt ins Blut.
Bei regulärem Verlauf beträgt der Krankenhausaufenthalt etwa 3 Wochen.
Je nach Befund wird ein individuelles weiteres Therapiekonzept zusammen mit den Onkologen festgelegt. Klinische Nachkontrollen, inklusive Computertomographie erfolgen in 6-monatigen Abständen.