In der chirurgischen oder Interdisziplinären Refluxsprechstunde werden ausführliche Gespräche mit dem Patienten über den bisherigen Krankheitsverlauf geführt mit einer umfassenden Aufklärung über die Möglichkeiten, Alternativen und Risiken einer medikamentösen oder operativen Behandlung.
Vor der Operation muss eine ausreichende medikamentöse Behandlung mit Protonenpumpenblockern (Pantozol, Nexium, Pariet, Zurcal Agopton, ...) versucht worden sein. Eine Operation sollte in folgenden Situationen diskutiert werden:
- ungenügender Behandlungserfolg mit Protonenpumpenblockern
- Notwendigkeit einer dauerhaften Einnahme von Medikamenten
- Unverträglichkeit der Medikamente
- Grosser symptomatischer Zwerchfellbruch
Entscheidet sich der Patient für eine Operation, erfolgt an einem weiteren Sprechstundentermin die sorgfältige körperliche Untersuchung und Beurteilung durch den Narkosearzt.
Zur Standortbestimmung werden eine Magenspiegelung, eine Röntgenkontrastuntersuchung der Speiseröhre, eine Speiseröhrendruckmessung und eine 24-Stunden-Säuremessung durchgeführt, falls diese Untersuchungen nicht schon stattgefunden haben. Die Abklärungen sind notwendig, um sicher zu gehen, dass nicht eine andere Ursache für die Beschwerden vorliegt sowie zur Planung einer allfälligen Operation.
Probatorische Behandlung [...]
Bei typischen Beschwerden wie Sodbrennen und saurem Aufstossen kann bei Patienten mit fehlenden Alarmsymptomen (Schluckbeschwerden, Blutarmut, Gewichtsverlust) eine Probetherapie mit Medikamenten über 2-4 Wochen durchgeführt werden.
Magenspiegelung [...]
Bei Vorliegen von Alarmsymptomen oder erneutem Auftreten von Beschwerden nach Abschluss einer 4-wöchigen medikamentösen Behandlung muss eine Magenspiegelung durchgeführt werden. Damit kann beim Vorliegen einer Speiseröhrenentzündung die Refluxkrankheit bestätigt und ein allenfalls ungünstiger Verlauf frühzeitig erkannt werden, bevor eine länger dauernde medikamentöse Therapie gestartet wird.

- Gastroskop zur Durchführung einer Magenspiegelung

- Speiseröhrenentzündung
Die Magenspiegelung wird in der Fachsprache Gastroskopie genannt. Die Unter-suchung wird mit einem sogenannten Gastroskop durchgeführt, einem ca. 100 cm langen schlauchartigen steuerbaren Gerät von ca. 9 mm Durchmesser mit eingebauter Lichtquelle und elektronischer Kamera. Über einen "Arbeitskanal" können Zusatzinstrumente für die Markierung und Entnahme von Gewebeproben oder die Durchführung von Eingriffen eingeführt werden. Voraussetzung für eine Gastroskopie ist, dass der Patient nüchtern, das heisst sein Magen absolut leer ist.
Beruhigende und schmerzlindernde Medikamente sollen eine möglichst schonende und wenig belastende Untersuchung erlauben und den Würgereiz unterdrücken. Diese Medikamente bewirken oft, dass der Patient während der Untersuchung schläft oder zumindest das Erlebte nicht wahrnimmt.
Wird bei einer Gastroskopie eine Speiseröhrenentzündung oder sogar eine Barrett-Schleimhaut entdeckt, sollten die Speiseröhrenentzündung nach ca. 2-monatiger Behandlung, die Barrett-Schleimhaut je nach Ausprägung in regelmässigen Abständen (1-3 Jahre) gastroskopisch nachkontrolliert werden.
Säuremessung [...]
Sind bei der Magenspiegelung keine Speiseröhrenveränderungen zu finden, was bei 2/3 der Refluxkranken der Fall ist, muss zur Bestätigung der Diagnose eine Säuremessung in der Speiseröhre durchgeführt werden. Damit können ein übermässiger Säurerückfluss in die Speiseröhre oder ein typisches zeitliches Zusammenfallen von normalem Säurerückfluss und Beschwerden die Krankheit bestätigen.

- Messonde mit Streichholz im Grössenvergleich
Die Säuremessung in der Speiseröhre wird in der Fachsprache Ösophagus-pH-Metrie genannt. Die Untersuchung erfolgt nach Einlage einer dünnen Sonde über die Nase in die Speiseröhre bis 5 cm oberhalb des Überganges zum Magen, ähnlich wie bei der Einlage einer gewöhnlichen Magensonde. Durch Messung der elektrischen Aktivität an der Sondenspitze kann die Säurestärke, bzw. der sogenannte pH-Wert ermittelt werden.
Eine Erweiterung der Säuremessung steht uns mit der sogenannten 24 Stunden pH Impedanzmessung zur Verfügung, die von den Gastroenterologen angeboten wird.
Zusätzlich zur pH-Messung ermöglichen dabei mehrere auf der Sonde verteilte Elektroden die Messung von Flüssigkeit in der Speiseröhre unabhängig vom Säuregehalt. Das Hochlaufen von Flüssigkeit kann dann mit dem Auftreten der Beschwerden korreliert werden. Damit kann ein Zusammenhang zwischen Beschwerden und Aufstossen von Flüssigkeit bewiesen werden, auch wenn diese nicht sauer ist.
Druckmessung [...]
Eine Druckmessung in der Speiseröhre ist vor einer operativen Behandlung, zur Abklärung von unklaren Brustschmerzen, nach Ausschluss einer Herzkrankheit und bei Schluckstörungen notwendig. Sie kann einerseits eine krankhafte Speiseröhrenmotorik als Ursache der Beschwerden aufzeigen und andererseits bei der Wahl des Operationsverfahrens hilfreich sein. In der Regel wird zuerst eine Druckmessung durchgeführt und anschliessend eine Sonde für die 24-stündige Säuremessung über die Nase in die Speiseröhre eingelegt. Diese Untersuchungen werden auch zur Überprüfung des Operationserfolges 3 Monate nach der Operation einer Refluxkrankheit durchgeführt.

- Manometriesonde, Grössenvergleich mit einem Stift
Die Druckmessung in der Speiseröhre wird in der Fachsprache Ösophagusmanometrie genannt. Die Untersuchung erfolgt im Spital am liegenden Patienten nach Einlage einer 5 mm feinen Sonde über die Nase in den Magen und dauert ca. 20 Minuten. Die Sonde enthält 8 flüssigkeitsgefüllte Kanäle, die je mit einem Druckabnehmer verbunden sind. Dadurch wird es möglich, gleichzeitig an verschiedenen Stellen in der Speiseröhre die Druckentwicklung abzuleiten und eine geordnete und gerichtete Speiseröhrenmotorik von einer krankhaften zu unterscheiden.
Speiseröhren- und Magenpassage [...]
Zur Planung vor einer Operation wird auch eine Röntgenuntersuchung des Schluckaktes und der Speiseröhre mit einem Kontrastmittel veranlasst. Damit können ein Zwerchfellbruch und eine krankhafte Speiseröhrenmotorik als Ursache der Beschwerden diagnostiziert werden. Die Untersuchung wird nach einer Operation wiederholt, um operationsbedingte Probleme frühzeitig zu entdecken und zu korrigieren.
Die bei der Untersuchung verwendeten Kontrastmittel sind kaum durchlässig für Röntgenstrahlen. Sie werden schluckweise eingenommen, so dass sie schliesslich Speiseröhre und Magen von innen auskleiden. Bei der Anfertigung des Röntgenbildes werden die so ausgekleideten Strukturen auf dem Röntgenfilm weiss abgebildet.

- Grosser Zwerchfellbruch (Hiatushernie) mit Magen im Brustraum

- Kontrolle nach der Operation: Korrekte Lage des Magens unterhalb des Zwerchfells
Je nach Fragestellung werden zwei verschiedene Arten von Kontrastmittel verwendet. Bariumhaltiges Kontrastmittel ist dickflüssig, weiss und hat einen Vanillegeschmack. Es wird zur Planung vor und zur Kontrolle 3 Monate nach der Operation verwendet. Jodhaltiges Kontrastmittel ist wässrig, durchsichtig und etwas bitter. Es eignet sich aus verschiedenen Gründen besser unmittelbar vor oder nach der Operation.
Die operative Therapie der Refluxkrankheit setzt einen akzeptablen Allgemeinzustand voraus. Besonders bei älteren Patienten mit grossen Zwerchfellbrüchen muss dieser vor der Operation sorgfältig untersucht und mit den beteiligten Ärzten (Chirurg, Anästhesist, Mediziner, Hausarzt, ...) erörtert werden. Führt ein Zwerchfellbruch zu Problemen bei der Nahrungsaufnahme, so kann dies zu einer raschen Verschlechterung des Allgemein- und Ernährungszustandes führen. Daher sollte - bestehen bereits Beschwerden - nicht allzu lange mit der Operation gewartet werden.