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Francesco Marra
Dr. med.
Francesco Marra
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Was versteht man unter Refluxkrankheit?

Die gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) wird allgemein kurz Refluxkrankheit genannt. Sie bezeichnet das krankhafte Aufstossen von saurem Magensaft in die Speiseröhre, so dass es entweder zu Beschwerden und/oder einer Speiseröhrenentzündung kommt. Die Diagnose der Refluxkrankheit kann in der Regel gestellt werden, wenn typische Beschwerden wie Sodbrennen und saures Aufstossen auf eine medikamentöse Säurehemmung ansprechen. Atypische Beschwerden der Refluxkrankheit wie Brustschmerzen und chronischer Husten lassen an eine Erkrankung der Herzkranzgefässe oder an Asthma denken. Diese Beschwerden treten klassischerweise nach dem Essen oder nachts im Liegen auf und lassen selten an eine Refluxkrankheit denken. Sogenannte Alarmsymptome müssen unverzüglich abgeklärt werden, da sie auf eine schwerwiegende Erkrankung hinweisen.

Beim gesunden Menschen sorgen der untere Schliessmuskel der Speiseröhre und zusätzliche, so genannte "Antirefluxmechanismen" dafür, dass die aggressive Magensäure nicht in die Speiseröhre fliessen kann. Das Zurückfliessen von Magensäure aus dem Magen in die Speiseröhre wird als gastroösophagealer Reflux bezeichnet. Folgende Faktoren sind für das Auftreten von Reflux hauptverantwortlich:

  • Vorübergehendes vom Gehirn gesteuertes Erschlaffen des Schliessmuskels am Übergang von der Speiseröhre zum Magen
  • Ungenügender Druck des Schliessmuskels, der spontanen Reflux zulässt
  • Zu hoher Druck im Bauchraum, v.a. im Zusammenhang mit einem Zwerchfellbruch

Symptome

Typische Symptome Atypische Symptome Alarmsymptome
Sodbrennen    
Aufstossen    
mit Speiseröhrenentzündung Brustschmerzen Schmerzhafte Schluckstörungen
ohne Speiseröhrenentzündung Heiserkeit Gewichtsabnahme
  Asthma, chron. Husten Blutarmut
  Zahnschäden  

Risikofaktoren für Entstehung einer Speiseröhrenentzündung:

Risikofaktoren

Risikofaktor Entstehungsmechanismus
Zwerchfellbruch, Alkohol, Nikotin, Minze
Herz- und Blutdruckmedikamente
Ungenügender Verschlussmechanismus
Schwangerschaft Ungenügender Verschlussmechanismus und Druckerhöhung im Bauchraum
Fettsucht
Enge kleidung, schweres Tragen
Fette Speisen, üppige Mahlzeiten
Blutzuckerkrankheit
Druckerhöhung in Bauchraum und Magen
Rheumatische Erkrankungen Mangelnde Speisröhrenselbstreinigung
Entzündungshemmende Schmerzmittel Störung des Schleimhautschutzmechanismus

Alle genannten Faktoren erhöhen das Risiko für die Entstehung einer Speiseröhrenentzündung und damit auch für Schleimhautveränderungen im Sinne eines Barrettösphagus (erhöhtes Krebsrisiko).

Was bedeutet die Refluxkrankheit für den Patienten?

Die gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) ist in der westlichen Welt die häufigste gutartige Erkrankung des oberen Magendarmtraktes.

20-30% der Menschen leiden an Refluxbeschwerden. 5-10% der Patienten mit Refluxkrankheit haben einen ungünstigen Verlauf und entwickeln eine Verengung oder ein Geschwür der Speiseröhre als Folge der chronischen Entzündung. Bei 1.4-2% entsteht eine Barrett-Schleimhaut und bei 0.1-0.2% entwickelt sich daraus ein Speiseröhrenkrebs. Bei 10% der Patienten mit Barrettschleimhaut kann sich im Lauf der Zeit (Beobachtungsdauer von ca. 20 Jahren) ein Speiseröhrenkrebs entwickeln. Deshalb sind bei solchen Patienten regelmässige Magenspiegelungen zur frühzeitigen Krebserkennung angezeigt.