Was bedeuten Schilddrüsenerkrankungen für den Patienten?
Bis weit in unser Jahrhundert waren Kröpfe (=krankhaft vergrösserte Schilddrüsen) in vielen Regionen der Schweiz häufig zu sehen. Der Grund für die Entstehung dieser Kröpfe lag in der Jodarmut unseres Bodens und damit unserer Nahrung. Den Mangel an dem für die Produktion von Schilddrüsenhormonen absolut notwendigen Jods versucht der Körper durch eine Vergrösserung der Schilddrüse wettzumachen. Durch die Zufuhr von Jod in das Speisesalz ist in der Schweiz der Jodmangel als Ursache für die Entstehung eines Kropfes nahezu eliminiert.
Seltener kommt es auch heutzutage bei normaler Jodzufuhr zu einer krankhaften, gutartigen Schilddrüsenvergrösserung. Diese entsteht durch Schilddrüsenzellfamilien, welche sich durch die üblichen Regelkreise in ihrem Wachstum nicht mehr steuern lassen und sich gewissermassen "verselbstständigt" haben. Es ist typisch für diese Kröpfe, dass sie sehr langsam wachsen und in ihrem Charakter gutartig sind.
Die Vergrösserung der Schilddrüse kann Beschwerden verursachen, welche durch örtliche Verdrängung und Druck bedingt sind:
- Grössenzunahme des Halses
- Klossgefühl, Engegefühl im Halsbereich
- Schluck- oder Atembeschwerden
Verantwortlich für die Entstehung von Knotenkröpfen mit einer überschiessenden Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen sind Schilddrüsenzellfamilien, welche sich bezüglich Zellvermehrung und Hormonausschüttung nicht mehr an die normalen Regelkreise halten. Diese Zellen sind gewissermassen auch in ihrer Funktion (Hormonproduktion) "autonom" geworden, weshalb man auch von einer Schilddrüsen-Autonomie spricht.
Bei dieser Erkrankungsform können sowohl Beschwerden der Schilddrüsenvergrösserung (s. unter 'Der einfache Kropf') wie auch der Schilddrüsenüberfunktion auftreten. Letztere verursacht in allen
Körperzellen bzw. Organsystemen eine "überschiessende" Leistung, was sich in folgenden Symptomen äussern kann:
- Gewichtsverlust
- Herzjagen / Herzstolpern (Herzrhythmusstörungen)
- Schlafstörungen
- Nervosität / Reizbarkeit
- Vermehrtes Schwitzen (Wärmeintoleranz)
- Durchfall
- Heisshunger
- Überaktivität
Ähnlich wie beim autonomen Knotenkropf kommt es bei der Basedow'schen Erkrankung zu einer Hormonüberproduktion mit den entsprechenden Symptomen. Verantwortlich für die Entstehung der Krankheit sind Autoantikörper (Abwehreiweisse, welche vom Immunsystem fälschlicherweise gegen körpereigene Substanzen gebildet werden). Diese Autoantikörper verhalten sich im Falle der Basedow'schen Erkrankung wie das von der Hirnanhangsdrüse gebildete TSH (Schilddrüse-stimulierendes Hormon). Sie setzten sich auf TSH-Rezeptoren der Oberfläche von Schilddrüsenzellen und stimulieren wie das TSH die Hormonproduktion der Zelle. Sie werden TRAK (TSH-Rezeptor-Antikörper) genannt. Da durch diese Autoantikörper alle Schilddrüsenzellen angeregt werden, kommt es nicht zu einer knotigen, sondern zu einer gesamtheitlichen Vergrösserung der Schilddrüse.
Die Erkrankung wird nach ihrem Erstbeschreiber, Karl Adolf von Basedow (1799 - 1884) benannt.
Von der Krankheit sind mehr Frauen als Männer betroffen (Verhältnis 7 : 1).
Bei der Basedow'schen Erkrankung treten die Symptome der Schilddrüsenüberfunktion und im unterschiedlichem Ausmasse die Symptome der Schilddrüsenvergrösserung auf (s. oben). Zusätzlich finden sich bei 30-60% der Basedow-Patienten typische Veränderungen des Gewebes in den Augenhöhlen, welche zu folgenden Symptomen führen können:
- Lidschwellung
- Reizungen der Bindehaut
- Lichtempfindlichkeit
- Hervortreten der Augäpfel
- Doppelbilder
Bösartige Schilddrüsentumoren entstehen durch das ungebremste Wachstum eines Schilddrüsenzellstammes. Im Gegensatz zu den gutartigen Wucherungen wie zum Beispiel beim Knotenkropf zeichnet sich das Wachstum bösartiger Tumoren durch das Einwachsen in Nachbarorgane aus. Zusätzlich haben diese bösartige Geschwüre (Karzinome) die Eigenschaft durch Verschleppung von Zellen in Lymphbahnen oder im Blutstrom Zweitgeschwüre (auch Ableger oder Metastasen genannt) zu bilden.
Nicht alle Schilddrüsenkarzinome sind in gleichem Masse bösartig. Entsprechend dem Zellbild unterscheidet man gut differenzierte und schlecht differenzierte Karzinome. Die gut differenzierten Karzinome zeigen ein relativ langsames Tumorwachstum und sind im Allgemeinen sehr gut behandelbar und haben darum eine sehr gute Prognose. Glücklicherweise sind die schlecht differenzierten Tumoren ausserordentlich selten.
Ein schnell wachsender Schilddrüsenknoten ist das typische Zeichen des Schilddrüsenkarzinoms. Mit zunehmendem Wachstum können durch Verdrängung und direkten Befall der Nachbarorgane die typischen Beschwerden des Kropfes zum Symptombild hinzutreten.
- Grössenzunahme des Halses
- Klossgefühl, Engegefühl im Halsbereich
- Schluck- oder Atembeschwerden
- Heiserkeit








