Vielen Patienten kann durch Anpassung der Diät und gegebenenfalls durch Einnahme von darmperistaltikhemmenden Medikamenten, wie Loperamid, geholfen werden. Zusammen mit Beckenbodentraining und Verbesserung der Stuhlgewohnheiten kann die Inkontinenz oft auf ein erträgliches Mass reduziert werden.
Schliessmuskelnaht (Sphinkterrepair) [...]
Bei frischen Schliessmuskelverletzungen in Folge eines Unfalles oder einer komplexen Geburt ist der Sphinkterrepair sicherlich angezeigt. Vor allem bei jüngeren Patienten und Patientinnen liegt die Erfolgsrate über 80%. Wird postoperativ ein Beckenbodentraining mit Schliessmuskeltraining angefügt, hält sich dieses Resultat auch in den folgenden Jahren. Bei älteren Patienten hat sich die Schliessmuskelrekonstruktion weniger bewährt. Nur etwa 60% zeigen nach 5 Jahren noch ein zufriedenstellendes Resultat. Hier sollte deshalb in der Regel ein neueres Verfahren wie beispielsweise die sakrale Nervenstimulation zur Anwendung kommen.
Dynamische Gracilisplastik [...]
Gastroenterologische Zentren mit grossen Patientenzahlen berichten punkto dynamischer Gracilisplastik von einer Erfolgsrate, d.h. dem Erreichen der Kontinnez von 56 bis 81 %. In den meisten Studien wird über eine moderate Komplikationsrate berichtet, wobei die erwähnten Komplikationen häufig vermeidbar oder gut behandelbar sind. Die vorherrschende Frühkomplikation in allen Studien war der Wundinfekt. Aufgrund dieser Erfahrung müssen die Patienten gegegbenenfalls auch gut auf eine zeitlich begrenzte Anlage eines künstlichen Darmausganges (Stoma) vorbereitet werden. Die dynamische Gracilisplastik ist bei Patienten und Patientinnen mit angeborener Stuhlinkontinenz oder schwerer Stuhlinkontinenz, bei denen Standardtherapien versagt haben, anzuwenden.
Der künstliche Schliessmuskel (Artificial Sphincter) [...]
Die Erfolgsrate in den publizierten Studien der verschiedenen Autorengruppen bezüglich künstlichem Schliessmuskel schwankt zwischen 70 und 88%, wobei die Infekte die häufigste Ursache des Scheiterns waren, gefolgt von Materialermüdung und im Langzeitverlauf von Spontanperforationen des Systems durch die Haut.
Sakrale Nervenstimulation [...]
Die sakrale Nervenstimulation wirkt bei 75 - 80% der Patienten während der Testphase. Ist der Test positiv, so ist mit einer langzeitigen Erfolgsrate von über 90% zu rechnen. Da es sich um ein minimal-invasives Verfahren handelt, ist die Komplikationsrate gering (10%). Gefürchtet ist die Infektion entlang der Elektrode oder am implantierten Neurostimulator. Dies führt zwar zu keiner Schädigung des Patienten, jedoch muss das System wegen des Infektes entfernt werden und kann erst nach Abheilen der Wunde 2 bis 3 Monate später wieder implantiert werden.