Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
Die Therapie der Stuhlinkontinenz richtet sich nach der zu Grunde liegenden Ursache und muss an die Patienten individuell angepasst werden. Folgende Hauptgruppen der Therapie stehen zur Verfügung:
Konservative Therapie
An erster Stelle bei der behandlung steht zunächst eine Änderung der Stuhlgewohnheit. Es sollte eine regelmässige, tägliche Stuhlentleerung erfolgen, der Stuhl sollte weich und geformt sein. Dieses erreicht man einerseits durch eine verbesserte Diät mit Ballaststoffen und eine genügende Flüssigkeitszufuhr, gelegentlich müssen zusätzlich Abführmittel (Laxantien) eingesetzt oder Einläufe gemacht werden.
Ebenfalls empfehlen wir ein Beckenbodentraining zur Verbesserung der Defäkation.
Chirurgische Therapien
Sollte die konservative Therapie keinen Erfolg bringen, liegen je nach Ursache der outlet-obstruction verschiedene chirurgische Optionen vor:
Beim klassischen obstructed defecation Syndrom (ODS) mit innerem Vorfall und vorderer Rektumwandausstülpung (Intussuszeption und anteriore Rektozele) führen wir heute die minimal invasive Rektumresektion mit Klammergerät (Rundkopfstapler) durch. Dabei wird der innere Vorfall in 2 Schritten samt der Ausstülpung der Rektumwand weggeschnitten. Der Defekt wird sofort mit einer feinen Klammernaht verschlossen.
Liegt gleichzeitig eine Sphinkterschwäche oder eine Schliessmuskelverletzung vor, dann empfehlen wir eine vordere Beckenbodenplastik (Anteriore Levatorplastik mit Sphinkterrepair).
Über einen semizirkulären Schnitt am Damm wird der Schliessmuskeldefekt dargestellt. Anschliessend wird der vordere Anteil des Beckenbodens präpariert und die Trennschicht (Septum rectovaginale) zwischen Scheide (Vagina) und Enddarm (Rektum) dargestellt. Die Vorwölbung des Enddarms (Anteriore Rectocele) wird zurückgedrängt. Die Lücke zwischen Scheide und Enddarm durch eine Raffung der Beckenbodenmuskulatur (anteriore Levatorplastik) verstärkt. Abschliessend kann der Schliessmuskel mit einer überlappenden Naht
wieder in seiner Kontinuität hergestellt werden. Häufig findet man bei diesen Patientinnen einen ausgedünnten Damm, der nun sorgfältig wieder rekonstruiert werden kann (Perinealplastik).

- Naht des Schliessmuskels

- und der Beckenbodenmuskulatur
Liegt ein grosser bis nach aussen reichender Enddarmvorfall (Rektumprolaps) vor, empfehlen wir eine laparoskopische Rektopexie.
Bei diesem minimal invasiven Verfahren (= Schlüssellochchirurgie) wird der Enddarm (Rektum) im kleinen Becken freipräpariert und anschliessend nach oben gezogen. In dieser neuen Position wird dann der Enddarm mit 3 bis 4 Nähten am Eingang ins kleine Becken refixiert (Naht-Rektopexie). Falls ein sehr grosser langer Mastdarm (Colon sigmoideum) vorliegt, kann gleichzeitig laparoskopisch eine Mastdarmentfernung (Resektionsrektopexie) vorgenommen werden.
Bei diesem Verfahren wird der vorgefallene Enddarm entfernt. Zuerst wird die überschüssige Schleimhaut abgetragen, anschliessend die Darmwand durch Nähte gerafft. Dadurch reponiert sich der Vorfall und bleibt oberhalb des Beckenbodens fixiert.
Wenn keine signifikante Rektozele oder kein eindeutiger innerer Vorfall vorliegt, und die outlet-obstruction auf ein neurologisches Problem zurückzuführen ist, kann heute eine chronische Stimulation der Beckenbodennerven (sakrale Nervenstimulation) angewandt werden.
Bei diesem Verfahren wird der Beckenboden unterschwellig elektronisch stimuliert. Eine Dauerstimulation kann die Enddarmfunktion so weit beeinflussen, dass eine normale Stuhlentleerung wieder möglich wird. Dazu wird eine Elektrode durch das Steissbein (Sacrum) hindurch an den Nerv, der den Beckenboden versorgt, angelegt. Über diese Elektrode wird mit einem externen Stimulator (Screener) schwacher Strom appliziert, so dass am Beckenboden und im After (Anus) ein leichtes Kribbeln vom Patienten währgenommen wird. Der Patient kann diese Stimulation während 2 bis 3 Wochen zu Hause während 24 Stunden bei gewohnter Arbeit testen. Kommt es in dieser Zeit zu einer deutlichen Verbesserung seiner Beschwerden kann der äussere Stimulator (Screener) gegen einen Neurostimulator, ähnlich einem Herzschrittmacher, ausgetauscht werden. Der Neurostimulator wird unter die Haut im Gesässbereich implantiert.
Nachbehandlung
Stuhlregulation während 6 Wochen mit Quellmittel (Metamucil). Eine Wundbehandlung entfällt, da keine Wunde äusserlich sichtbar ist.
Stuhlregulation während 6 Wochen mit Metamucil. Tägliches Ausduschen der Wunde am Damm.
Eine Fadenentfernung entfällt bei selbstresorbierendem intracutanen Nahtmaterial. Kein Sport und kein Heben von schweren Lasten für 6 Wochen. Stuhlregulation mit Metamucil.
Kein Sport und kein Heben von schweren Lasten für 6 Wochen. Stuhlregulation mit Metamucil.
Während der Testphase ist eine wöchentliche Kontrolle der Stimulationsparameter und eine 2 bis 3x tägliche Kontrolle der Wunde unabdingbar. Nach Implantation des Neurostimulators ist eine spezielle Nachsorge nötig, die Stimulationsparameter und der Therapieeffekt werden 6-monatlich kontrolliert.













